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Ab in die Zukunft
Der historische Fachwerkbau des alten Wirxel-Hauses in der Marktstraße, hier mit dem Vorsitzenden des 50erJahre-Museums Kevin Nikodem, wurde nach jahrzehntelangem Verfall vom Verein gekauft und soll restauriert werden. Hier soll das neue 50erJahre-Museum entstehen. Foto: Marco Stepniak

Ab in die Zukunft

Lesedauer: ca. 4 Min. | Text: Angelika Herstell

Stadtverschönerung an allen Ecken.

Mehr Wohnraum, mehr Komfort, mehr Aufenthaltsqualität in der City, Energieeffizienz und Barrierefreiheit – für das „Datteln der Zukunft“, oder die „City of the Future“. Aber auch das Motto „Zurück in die Vergangenheit“ hat Charme: Gelebt wird ein regelrechter Heimatfilm in einem kleinen Zechenhaus in der Beisenkamp-Kolonie, während in der Stadt gerade alles herausgeputzt wird. „Modern Times“.

Geplante Nachnutzung des alten Sportplatzes: Rund 60 Einfamilienhäuser in flächensparender Bauweise und etwa 150 Wohnungen in Geschossbauweise sollen hier entstehen.

Die Stadt Datteln will Wohnraum schaffen, denn hier möchten wesentlich mehr Menschen leben als derzeit möglich. Dabei geht es um hunderte neue Wohnungen und Einfamilienhäuser. Die ehemals konkreten Zahlen gelten aktuell nicht mehr, da das „Wohnbauflächenprogramm 2030“ gerade noch einmal überarbeitet wird. Darin waren ursprünglich knapp 800 neue Wohnungen und über 400 Einfamilienhäuser vorgesehen. Zu bauen bis zum Jahr 2030. Sogar ein ganzer Tiny-Houses-Park wurde schon angedacht, jedoch wieder verworfen. Viele Menschen möchten also in Datteln leben. Das ist ein schönes und verdientes Kompliment an eine Stadt, die sich wirklich Mühe gibt. Beispielsweise am ehemaligen Ostringstadion. Seit 1955 wurde dort Fußball gespielt. Auch Ingo Anderbrügge kickte dort als junger Mann für Germania Datteln. 2020 ging dann eine Ära zu Ende. Der Nachfolgeverein von Germania Datteln, die „Sportfreunde Germania Datteln“ fusionierten mit der „Eintracht“ und gaben das Stadion auf. Die Tribünen wurden von Unkraut überwuchert, die Sportstätte verschwand.

Neuer Wohnraum

Die Fläche des alten Sportplatzes soll möglichst bald sinnvoll neu genutzt werden. Der aktuelle Entwurf sieht derzeit ca. 60 Einfamilienhäuser in „flächenschonender Bauweise“, also recht dicht beieinander, und die Errichtung von ca. 150 Wohnungen in „Geschossbauweise“ vor. Das alles auf einer Fläche von rund fünf Hektar. Dann kann man dort leben, wo früher Tore fielen. Hier sollen Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft und unterschiedlichen Alters zu Hause sein, die gerne durch den angrenzenden Volkspark spazieren und am Dattelner Mühlenbach entlang flanieren. So der Wunsch.

Die City, hier die Visualisierung am Eingang Hohe Straße soll in neuem Glanz erstrahlen.

Wer sich in seinem Wohngebiet wohl fühlt, der möchte sich natürlich auch in seiner Innenstadt wohlfühlen. Die Modernisierung des Einkaufsbereichs Hohe Straße – Neumarkt – Tigg steht an. „Alles soll schöner werden im Wohnzimmer unserer Stadt“, ist das Motto des Bürgermeisters André Dora. So wird es im wahrsten Sinne des Wortes ein „neues Pflaster“ geben, das auch optisch mehr her macht. Es gibt Spielplätze mit und ohne Trampoline, einen kleinen Wasserspielplatz (ein Fontänenfeld), mehr Grünflächen, Wasserspender für alle Bürgerinnen und Bürger und neue Sitzgelegenheiten. Außerdem wird alles barrierefrei. Dafür gibt es rund 6,5 Millionen Euro Fördergelder von Land und Bund.

Mehr Aufenthaltsqualität

Was später nicht sichtbar sein wird, aber allen zugutekommt: Auch die örtlichen Versorgungsunternehmen erneuern ihre Leitungen und Anschlüsse für Wasser, Gas, Fernwärme, Strom und Telefon, um sich zukunftsfähig aufzustellen. Außerdem wird in einem Teil der Fußgängerzone eine Drainage zur Ableitung von Grundwasser verlegt. All das soll zu mehr Aufenthaltsqualität in der Innenstadt führen, und damit auch die Kauflust anregen, womit wir bei der nächsten wesentlichen Veränderung in der Innenstadt wären: der Stadt-Galerie. Sie wird als weiterer zentraler Punkt in der Innenstadt ihr Gesicht verändern. Und auch dadurch erhofft sich Bürgermeister André Dora „wichtige Impulse für die Einkaufsstadt“. Mit neuem Grundriss und neuem Ambiente soll die Stadt-Galerie in neuem Glanz erstrahlen. Transparenz, Licht und Grün sowie ein neuer Eingang und moderne Parkmöglichkeiten in einer Tiefgarage und auf einem Parkdeck sollen den Besuch demnächst noch attraktiver machen. Auf dem Dach des Einkaufszentrums wird eine Photovoltaik-Anlage installiert.

Die Visualisierung von Norden (Bild unten) zeigt weitere geplante Neuerungen.

Auf den Parkplätzen gibt es Lademöglichkeiten für E-Autos. Die Fassaden werden begrünt. Neben vielen alten Mietern zieht Kaufland in das neue Zentrum ein. Auf einer Verkaufsfläche von rund 3.600 m² wird der Supermarkt mit seinem vielfältigen Angebot die Lebensmittelversorgung in der Innenstadt sicherstellen. Das haben sich, so die Stadt Datteln, viele Menschen gewünscht. Die Investitionssumme für das Projekt liegt im zweistelligen Millionenbereich, teilt der Investor „Greenman Open“ mit. Kurz zusammengefasst: Die Umbauzeit der Stadt-Galerie ist für 14 Monate geplant und soll bis Anfang 2027 abgeschlossen sein. Priorität bei den Planungen hatten Nachhaltigkeit und Aufenthaltsqualität.

Wiederbelebung

Um Aufenthaltsqualität der ganz anderen Art geht es im alten Wirxel-Haus in der Marktstraße. Der historische Fachwerkbau, der trotz oder wegen des Denkmalschutzes seit rund 30 Jahren vor sich hin rottete, wurde in diesem Jahr vom gemeinnützigen 50er-Jahre-Museum-Datteln e.V. gekauft und damit gerettet. Mit seiner Zierverschieferung, den Blendläden, Taschenfenstern und klassizistischem Kranzgesims ist das Gebäude etwas ganz Besonderes. Das Besondere: Der Verein möchte nur Dattelner Firmen beauftragen. Und dann soll das alte Gemäuer in neuem Glanz erstrahlen. Im Erdgeschoss ist ein 50er-Jahre-Oma-Café geplant, und darüber könnte dann das Museum einziehen, das dort noch mehr Platz hätte, um seine Besucher in die Wirtschaftswunderjahre zu entführen.

Dass man diese Zeit tatsächlich wieder aufleben lassen kann, hat Kevin Nikodem bereits mit dem alten Zechenhaus in der Siedlung bewiesen, das auch viele Besucher von auswärts anzieht. In den Jahren 2019 und 2020 hat er es komplett nach alten Fotos und Bauplänen in den Originalzustand von 1955 zurückversetzt. Es ist ein Beispiel dafür, dass man alte Gemäuer mit guten Ideen, ausreichend finanziellen Mitteln und Mut durchaus wiederbeleben und nutzen kann. Die Besucher lieben das Haus auch als Fotokulisse und loben es als „ein Stück heile Welt“. Und so tauchen vielleicht demnächst viele Menschen nach einem Besuch der „schönen neuen Welt“ in Dattelns „aufgehübschter“ und moderner City, gerne mal ab in die „gute alte Zeit“ im Oma-Café und dem „Wirtschaftswunder“-Museum, um dann wieder „zurück in
die Zukunft“ durchzustarten. In Datteln ist das möglich. 50erjahremuseumdatteln.de

28.05.2025
Datteln
Kevin Nikodem hat das Wirxelhaus in Datteln gekauft und will es in sein neues 50er Jahre Museum umbauen . 
foto: copyright  marco stepniak  -  
mobil  +49 171 2771906 ,  marco@stepniak-bild.de
Der Vereinsvorsitzende Kevin Nikodem bittet alle Dattelner und 50er-Jahre-Fans um Unterstützung in Form von Spenden, denn die Sanierung des alten Gebäudes wird teuer werden. Foto: Marco Stepniak
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