Wie eine Tagesstätte in Datteln Horneburg Menschen mit psychischen Erkrankungen dabei hilft, wieder Struktur, Gemeinschaft und Sinn im Alltag zu finden.
Es ist 8.45 Uhr. In der großen Küche dampft der Kaffee, leises Stimmengewirr erfüllt den Raum. Einige decken den Tisch, andere bereiten das Frühstück vor. Es ist ein Moment des Ankommens, der Wärme – und des Anfangs. Ein neuer Tag beginnt in der Tagesstätte der Fachstelle für psychisch erkrankte Menschen in Datteln im Stadtteil Horneburg, und für viele, die hierherkommen, ist das ein Stück Halt.
„Viele unserer Besucherinnen und Besucher kommen aus Phasen völliger Isolation“, sagt Marita Heßler vom Diakonischen Werk im Kirchenkreis Recklinghausen. Die Tagesstätte bietet Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen – darunter etwa Depressionen, Angststörungen, Psychosen oder Borderline – Struktur und soziale Eingebundenheit. 27 Plätze stehen zur Verfügung, an fünf Tagen pro Woche. Wer kommt, bleibt meist den ganzen Tag – vom Frühstück bis 15.15 Uhr.
Gegliederter Tagesablauf
Was folgt, ist ein klar gegliederter Tagesablauf mit vielfältigen, wechselnden Gruppenangeboten: Gesprächsrunden, Ergotherapie, Sport, Kochen, Theater, Kreativkurse oder Soziales Kompetenztraining. Gemeinsam wird gekocht, mittags gegessen, am Nachmittag geht es weiter mit Aktivitäten oder einfach dem Austausch untereinander. „Hier unterstützen sich Menschen auch gegenseitig – auf Augenhöhe“, erzählt Sozialarbeiter Sven Stöber. Die Krankheit, so beschreibt Marita Heßler es, tritt im besten Fall in den Hintergrund, weil das Leben wieder Raum und Sinn bekommt.
Der Rahmen ist professionell, aber nicht distanziert. „Wir haben eine hohe Beteiligungskultur“, betont Marita Heßler. Die Klientinnen und Klienten übernehmen Verantwortung, entscheiden mit, helfen bei Hauswirtschaft und Organisation. Selbstbestimmung ist ein zentraler Aspekt – ebenso wie das Gefühl: Ich bin nicht allein. Menschen aller Bereiche Höhepunkte sind die regelmäßigen Ausflüge und einmal jährlich eine mehrtägige Freizeitfahrt. In diesem Jahr geht es mit 17 Teilnehmenden und drei Kleinbussen nach Ameland – Fahrräder, Anhänger, alles wird organisiert. Für viele ist es der erste Urlaub seit Jahren oder sogar im Leben. „Eine ehemalige Teilnehmerin hatte vor ein paar Jahren bei einer Reise an die holländische Nordsee zum ersten Mal das Meer gesehen. Diesen Gesichtsausdruck werde ich nie vergessen“, erinnert sich Marita Heßler.
Die Einrichtung wird vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe finanziert. Eine zeitliche Begrenzung für den Aufenthalt gibt es nicht – manche sind erst wenige Wochen da, andere schon einige Jahre. Die Menschen kommen aus allen gesellschaftlichen Bereichen: Handwerk, Büro, Altenpflege, Metallbau, Bergbau, Bundeswehr, Küche…. Hier zählt nicht der Lebenslauf, sondern das Hier und Jetzt. „Einfach mal wieder Freude spüren – das ist oft schon der erste Schritt", sagt Besucherin Michaela.

Elper Weg 89
45657 Recklinghausen
www.diakonie-kreis-re.de