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Seltener Fischotter kehrt an die Lippe zurück
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Seltener Fischotter kehrt an die Lippe zurück

Lesedauer: ca. 4 Min. | Text: _Redaktion _RDN

Zum „Tag der Artenvielfalt“ (22. Mai): Lippeverband meldet erfreuliche Nachricht zur Biodiversität im längsten Fluss Nordrhein-Westfalens.

Passend zum „Tag der Artenvielfalt“ an diesem Freitag, 22. Mai, kann der Lippeverband eine besonders erfreuliche Nachricht verkünden: Der vom Aussterben bedrohte Fischotter ist an die Lippe zurückgekehrt. Erste Hinweise auf die Rückkehr des Tieres in das Lippe-System gab es bereits vor einigen Jahren. Damals wurde der scheue „Wassermader“ an der Lippe zufällig beobachtet und wird seither von fachkundigen Wissenschaftler*innen mehrfach über Spurensuche nachgewiesen. Die Ansiedlung des Fischotters wertet der Lippeverband, der in diesem Jahr sein bereits 100-jähriges Bestehen feiert, als Beleg für das Gelingen der Flussrenaturierung. Wie erfolgreich diese war, wird im Juli beim „Tag der lebendigen Lippe“ untersucht – unter anderem können dann auch interessierte Bürgerinnen und Bürger selbst mitforschen.

„Auch wenn sich der Otter bisher noch nicht überall entlang der Lippe etabliert hat, zeigt die Entwicklung deutlich, dass die neu geschaffenen Lebensräume zunehmend angenommen werden. Fischotter brauchen saubere Gewässer, ruhige Ufer und genug Nahrung, weshalb ihr Vorkommen als Indikator für eine gute Gewässerqualität und intakte Ökosysteme gilt“, sagt Gunnar Jacobs, Mitarbeiter beim Lippeverband und Experte für Artenvielfalt. Der Wasserwirtschaftsverband hat in der Vergangenheit zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, um das Fluss-System wieder naturnaher zu gestalten: Im Verbandsgebiet wurde die Reinigungsleistung der Klär- und Regenwasserbehandlungsanlagen optimiert, darüber hinaus wurden umfassende Renaturierungsmaßnahmen entlang der Lippe durchgeführt. Uferbereiche wurden naturnah umgestaltet, befestigte Abschnitte des Flusses wieder geöffnet und die ökologische Durchgängigkeit des Fluss-Systems verbessert.

Der eurasische Fischotter (Lutra lutra) ist ein semiaquatisch, also sowohl an Land als auch im Wasser lebender Säuger aus der Familie der Marder (Mustelidae). Er steht in Deutschland nach Bundesnaturschutzgesetz unter strengem Schutz und galt in Nordrhein-Westfalen jahrzehntelang als ausgestorben. Vor allem die starke Verschmutzung der Flüsse und der Ausbau der Gewässer im Zuge der Industrialisierung hatten seine Lebensbedingungen erheblich verschlechtert.

Die Rückkehr des Fischotters zeigt nun: Die Maßnahmen des Lippeverbandes zum Schutz und zur Renaturierung der Lippe wirken. Dabei profitiert nicht nur der Fischotter von den verbesserten Lebensräumen – zahlreiche andere Tier- und Pflanzenarten besiedeln die neu geschaffenen Lebensräume. Der Fischotter selbst trägt auch dazu bei, das ökologische Gleichgewicht im Fluss zu stärken. Als Spitzenprädator in Gewässern hat der Fischotter einen wichtigen Einfluss auf das Ökosystem, indem er vor allem alte, schwache und kranke Fische frisst und so zu gesunden Fischbeständen beiträgt.


Mitmach-Aktion für Natur-Fans


Was lebt eigentlich an und in der Lippe? Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Wasserwirtschaftsverbandes laden der Lippeverband, der NABU NRW und die Landschaftsagentur Plus zum „Tag der lebendigen Lippe“ in Datteln ein. Erstmals im Lippe-Gebiet nehmen Forscher*innen am 11. und 12. Juli die Natur am Haus Vogelsang unter die Lupe. Dort werden über einen Zeitraum von 24 Stunden die Tier- und Pflanzenarten vor Ort gesichtet und dokumentiert, um die Entwicklung der Artenvielfalt zu analysieren.

Auch für interessierte Besucher*innen gibt es am 12. Juli von 11.00 bis 17.00 Uhr die Möglichkeit, das Geschehen zu verfolgen sowie selbst zu forschen: Spannende Mitmach-Aktionen für Klein und Groß laden dazu ein, die blaugrüne Flusslandschaft zu erkunden und Verschiedenes über die Entwicklung der Lippe zu lernen – etwa beim Keschern im Wasser, beim Blick durch ein Mikroskop oder beim Basteln von Saatkugeln. Darüber hinaus bieten Expert*innen verschiedene Führungen an, die unter anderem Wissenswertes zu den Umbaumaßnahmen an der Lippe oder die dort lebenden Amphibien und Vögel vermitteln. So wird der längste Fluss Nordrhein-Westfalens zum großen Entdeckungsraum für die ganze Familie.


Hintergrund


Der „Tag der lebendigen Lippe“ knüpft an die drei bisherigen Veranstaltungen zum „Tag der lebendigen Emscher“ an. In den vergangenen Jahren stand dabei die biologische Vielfalt der Emscher im Mittelpunkt – untersucht wurden unter anderem die Emscher-Mündung bei Dinslaken, der Natur- und Wasser-Erlebnispark in Castrop-Rauxel/Recklinghausen sowie die Emscher-Auen in Castrop-Rauxel/Dortmund.

Nun feiert das Monitoring am längsten Fluss Nordrhein-Westfalens Premiere: Im Rahmen des Programms „Lebendige Lippe“ wurden im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen seit 2016 an der Lippe bei Haus Vogelsang zahlreiche Renaturierungsmaßnahmen umgesetzt. Ziel ist es, die Vernetzung zwischen Fluss und Aue wiederherzustellen und neue Auenbereiche zu entwickeln. Wie sich diese Maßnahmen auf die biologische Vielfalt auswirkt, wird nun im Rahmen des „Tages der lebendigen Lippe“ untersucht.

Der Lippeverband


Der Lippeverband wurde vor 100 Jahren – am 19. Januar 1926 – gegründet, um die Folgen der Industrialisierung und des Bergbaus in Einklang mit der Natur, der Gesundheit und der Lebensqualität der Menschen zu bringen. Der Verband konnte ohne größere Zeitverluste seine Aufgaben angehen, da sich die Verbandsorgane entschlossen hatten, die Geschäftsführung mit der bereits 1899 gegründeten Emschergenossenschaft zu vereinigen. Man vermied dadurch den Aufbau einer eigenen Verwaltung. Sitz des neuen Verbandes wurde Dortmund. Dort war die Sesekegenossenschaft ansässig, die bereits 1913 nach Vorbild der Emschergenossenschaft gebildet worden war und nun im Lippeverband aufging. Zuständig war der Lippeverband nicht für das gesamte Lippe-Gebiet ab der Quelle, sondern für den industriell stark geprägten Raum unterhalb Lippborg bis Wesel – inklusive der Nebenlaufgebiete. Bis heute lebt der Lippeverband als öffentlich-rechtliche Einrichtung das Genossenschaftsprinzip als Leitidee des eigenen Handelns. Weitere Informationen zum Lippeverband sowie zu Veranstaltungen rund um das 100-jährige Bestehen finden interessierte Bürgerinnen und Bürger ab dem 19. Januar 2026 auf jubilaeum.eglv.de.

Info
Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV)

EMSCHERGENOSSENSCHAFT UND LIPPEVERBAND
Kronprinzenstr. 24
45128 Essen
www.eglv.de

 

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