Ein Blick hinter die Kulissen von Datteln 4 ist normalerweise nicht möglich. Wir verlosen wir exklusive Plätze für eine besondere Führung durch das Kraftwerk – mit spannenden Einblicken in die Technik und außergewöhnlichen Ausblicken über das Vest.
Oben auf dem Kesselhaus wirkt die Welt plötzlich erstaunlich klein. Fast 130 Meter über dem Boden liegt Datteln unter einem. Die Stadt ist deutlich zu erkennen, der Dattelner Meerbogen zeichnet sich in der Landschaft ab, dahinter reicht der Blick bis in die Haard. Richtung Waltrop ist St. Peter zu sehen. Der Kirchturm wirkt aus dieser Höhe fast wie eine kleine Nadel. Auch Dortmund und Essen liegen noch im Blickfeld, bei guter Sicht reicht der Blick sogar bis zu den Krankenhaustürmen in Münster.
Nach all den Maschinen und technischen Abläufen ist dieser Moment fast still. Das Kraftwerk, das vom Boden aus so riesig wirkt, wird von hier oben selbst zu einem Teil der Landschaft. Man kann einfach über das ganze Vest blicken…
Doch bevor dieser Ausblick möglich wird, führt der Rundgang mitten hinein in eine Welt, die von außen nur zu erahnen ist. Hinter den gewaltigen Fassaden von Datteln 4 arbeiten Wasser, Kohle, Dampf und Technik in einem genau abgestimmten Kreislauf zusammen.
80.000 Kubikmeter Wasser
Schon der Kühlturm macht deutlich, dass hier andere Maßstäbe gelten. 178 Meter ragt er in den Himmel. Wer hineinschauen darf, bekommt eine Vorstellung davon, welche Mengen an Wasser hier bewegt werden. „Da sind 80.000 Kubikmeter Wasser im Umlauf. Das sind 32 Olympia-Schwimmbecken oder 533.000 Badewannen“, erklärt Andreas Kahle, Sprecher der Onyx Datteln 4 GmbH & Co. KG. „Die fallen pro Stunde von oben nach unten.“ Der natürliche Fall sorgt dafür, dass das Wasser wieder abgekühlt wird.
Im Inneren des Kühlturms rieselt das Wasser tatsächlich wie Regen von der Decke. Es ist ein spektakulärer Vorgang, der angesichts der Dimensionen unglaublich beeindruckend wirkt. Das Wasser wird im Kraftwerksprozess gebraucht, um Wärme abzuführen. Das Betriebswasser wird aus dem Dortmund-Ems-Kanal entnommen. Bevor es in die Anlage gelangt, wird es unter anderem enthärtet, damit sich kein Kalk ablagert.
Das Wasser spielt auch an anderer Stelle eine entscheidende Rolle. Im Dampferzeuger wird es unter enormen Temperaturen in Dampf verwandelt. Der wiederum setzt die Turbine in Bewegung. Aus der thermischen Energie des Dampfes wird zunächst eine Drehbewegung und anschließend mithilfe eines Generators elektrische Energie. „Das Prinzip ist komplex, lässt sich aber auf einen einfachen Gedanken herunterbrechen. Wasser wird zu Dampf, Dampf bewegt die Turbine und die Turbine treibt den Generator an und der Generator erzeugt Strom“, so Kahle.
1.100 Grad heiß
Dafür braucht es allerdings zunächst Kohle. Sie wird nicht einfach verbrannt, wie sie angeliefert wird. In den Kohlemühlen wird sie zu einem extrem feinen Staub gemahlen. „Die Kohle wird erst gemahlen, so fein wie Mehl“, sagt Kahle. Dadurch bekomme der Brennstoff eine besonders große Oberfläche und kann effizienter verbrennen. Mithilfe heißer Luft wird während des Mahlvorgangs die Kohle getrocknet, die brennbaren Bestandteile dabei ausgetrieben und der feine Staub in den Feuerraum geblasen. Dort herrschen Temperaturen von etwa 1.100 Grad Celsius.
Der riesige Dampferzeuger wirkt dabei wie ein überdimensionierter Backofen. Nur dass hier nicht gebacken wird. Hier entsteht der Dampf, der später durch die Turbine strömt. Und während die Dimensionen gewaltig sind, braucht es erstaunlich wenig Menschen, um die Anlage zu steuern. „Die ganze Anlage wird mit fünf bis sieben Mann gefahren“, erklärt Kahle. Sie arbeiten im Schichtbetrieb und überwachen die Prozesse aus der geräumigen Warte.
Was dort kontrolliert wird, hat gewaltige Auswirkungen. Datteln 4 verfügt über eine elektrische Nettoleistung von mehr als 1.000 Megawatt. Bis zu 413 Megawatt können als Bahnstrom in das Netz der Deutschen Bahn eingespeist werden. Zusätzlich wird Fernwärme für rund 100.000 Haushalte erzeugt.
Komplexer Kreislauf
Auch die Rauchgase durchlaufen mehrere Stationen, bevor sie die Anlage verlassen. Stickoxide, Staub und Schwefeldioxid werden in verschiedenen Stufen herausgefiltert. Dabei entstehen Stoffe, die weiterverwendet werden können. Die Flugasche wird beispielsweise in der Bauindustrie als Betonzusatzstoff eingesetzt. Aus der Entschwefelung entsteht Gips, der ebenfalls in der Bauindustrie Verwendung findet. „Das Kraftwerk macht keinen Abfall“, so Kahle.
Je weiter der Rundgang führt, desto deutlicher wird, dass Datteln 4 aus unzähligen einzelnen Prozessen besteht, die ineinandergreifen. Rohre, Leitungen, Kessel, Pumpen und Turbinen bilden zusammen ein riesiges technisches System. Von außen ist davon kaum etwas zu erkennen. Erst wer durch die Anlage geht, bekommt ein Gefühl für ihre Dimension. Hinter der markanten Silhouette von Datteln 4 steckt ein hochkomplexer Kreislauf, der von außen kaum sichtbar ist.
Fakten zu Datteln 4
- macht Strom für etwa 1,3 Millionen Menschen
- trägt mit seinen hohen Laständerungsgeschwindigkeiten zur Netzstabilität bei, indem es flexibel und präzise auf schwankende Einspeisungen aus erneuerbaren Energiequellen reagiert.
- sorgt für bis zu 25 % des gesamtdeutschen Bahnstroms
- erzeugt Wärme für etwa 100.000 Haushalte in der Region
- ist ein in Datteln ansässiges Unternehmen
- ist Ausbildungsbetrieb (5 Elektroniker für Betriebstechnik; 3 Industriemechaniker; eine Mechatronikerin)
Plätze für eine exklusive Führung gewinnen
Wir verlosen Plätze für eine exklusive Führung am Donnerstag, 24. September, 10 Uhr. Für die Teilnahme schicken Sie uns einfach eine E-Mail an gewinnspiel@vest-erleben.de mit Ihren Kontaktdaten zur Gewinnbenachrichtigung (Vorname, Nachname, Wohnort) und schreiben Sie uns kurz, warum Sie gerne dabei sein möchten. Die Gewinner werden am 21. September per E-Mail von uns benachrichtigt.
Teilnahmebedingungen unter: vesterleben.de/artikel/gewinnspiel