Zum Inhalt springen
Zimt, Schnecke und der Weg zum Natur-Erklärer
Mary (25), (l.). und Daniela (22), (r.) trainieren regelmäßig mit den Schafen Zimt (l.) und Schnecke (r.) damit sie bei Besuchergruppen nicht mehr so schüchtern sind. Foto: Marco Stepniak

Zimt, Schnecke und der Weg zum Natur-Erklärer

Lesedauer: ca. 2 Min. | Text: Jennifer von Glahn

Ein inklusives Projekt der Recklinghäuser Werkstätten verbindet Bildung und Naturerlebnis. Demnächst gibt es Guides in einem Teil des Emscherlands. Dazu gehört die 25-jährige Mary.

Zimt ist schüchtern. Wenn sich Menschen nähern, hält das Schaf mit dem grünen Halfter zunächst Abstand und beobachtet erst einmal aus der Ferne. Schnecke dagegen ist neugieriger und kommt schneller heran. Mit kleinen Snacks und einem Klicker werden die Tiere langsam daran gewöhnt, dass Besucher gruppen über das Gelände laufen. Das Training gehört zu den Vorbereitungen für ein besonderes Projekt im Emscherland: Menschen mit Behinderung werden zu Guides ausgebildet.

Auf dem rund 30 Hektar großen Gelände lernen Beschäftigte der Recklinghäuser Werkstätten alles rund um Landwirtschaft, Tiere und Natur. Das Projekt für angewandte inklusive Bildung heißt „Zusammen-Wachsen“. Ziel ist es, Wissen zu vermitteln und es später auch an andere weiterzugeben. Künftig sollen die Gästeführer Besuchergruppen über das Gelände im Emscherland führen und erklären, wie hier gearbeitet wird und wie Natur und Landwirtschaft zusammenhängen.

Die 25-jährige Mary bereitet sich derzeit auf diese Rolle vor. Sie wird zur Gästeführerin aus gebildet und soll künftig Besuchergruppen durch das Gelände führen. Dabei wird sie nicht nur über die Arbeit auf dem inklusiven Gemüseacker sprechen, sondern auch über das Emscherland selbst. Die ersten Schulungen dafür haben Mary und andere bereits mit
Bravur gemeistert. Bis sie aber die ersten Gäste durch den Natur- und Wassererlebnispark Emscherland begleiten dürfen, wird es noch etwas dauern.

Die 22-jährige Daniela Wolf gehört zu den Menschen, die täglich auf dem Feld und bei den Tieren arbeiten. Für sie ist vor allem die Arbeit draußen etwas Besonderes. „Das Schöne hier ist, dass man die ganze Zeit in der Natur ist“, sagt sie. „Man ist draußen und arbeitet mit den Tieren zusammen.“ Auf den Feldern wachsen viele verschiedene Gemüsesorten. Im Frühjahr und Sommer werden zum Beispiel Salate, Spinat, Gurken und Tomaten angebaut. Auch Kräuter, Zucchini und Kürbis gehören zum Sortiment. Besucher können das Gemüse direkt vor Ort kaufen. „Die Leute können mit uns aufs Feld gehen und sich ihr Gemüse aussuchen“, erzählt Daniela Wolf. „Frischer geht es nicht, frisch gepflückt vom Acker.“

Bewährtes Projekt

Die Idee, Wissen auf diese Weise weiterzugeben, hat sich bereits an anderer Stelle bewährt. Beim LWL-Museum Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop bieten die Recklinghäuser Werkstätten schon länger Führungen in leichter Sprache an. Dort zeigen Menschen mit Behinderung den Besuchern das historische Schiffshebewerk und erklären seine
Geschichte auf verständliche Weise. Mit dem neuen Projekt im Emscherland wird dieses Konzept nun auf Natur und Landwirtschaft übertragen. So entsteht ein besonderer Lernort, an dem Besucher Natur aus nächster Nähe erleben können und gleichzeitig sehen, wie Inklusion in der Praxis funktioniert.

Info Diakonisches Werk im Kirchenkreis Recklinghausen
Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen

Elper Weg 89
45657 Recklinghausen

www.diakonie-kreis-re.de

Artikel teilen:

Mehr aus Ihrem Vest: