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Zurück an den gedeckten Tisch
© André Chrost

Zurück an den gedeckten Tisch

Lesedauer: ca. 2 Min. | Text: Jennifer von Glahn

Wie die Küche der 50er-Jahre ein Comeback feiert.

Der Duft von frisch gebrühtem Kaffee liegt in der Luft im 50er-Jahre-Museum an der Kolonialstraße, dazu gibt es sorgfältig belegte Schnittchen mit Gurke und Petersilie. Für einen Moment scheint die Zeit stillzustehen. Plötzlich sind die Fifties wieder da. „Sie waren der Beginn einer neuen Esskultur, geprägt von Aufbruch, Kreativität und einer neu entdeckten Freude am Genuss“, so Kevin Nikodem, Gründer und Vorsitzender des Museums. „Das Schlüsselwort ist die Wirtschaftswunderzeit. Nach den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren bedeutete Essen plötzlich mehr als bloße Nahrungsaufnahme.“ Es wurde zum Ausdruck von Lebensfreude und neu gewonnenem Wohlstand. „Die Menschen hatten wieder Geld und vor allem Lust, es sich gut gehen zu lassen.“

Diese Aufbruchsstimmung spiegelte sich hier auf den Tellern wider. Klassiker wie Mettigel, Spargelröllchen oder Toast Hawaii entstanden in dieser Zeit. „Die Leute wurden plötzlich wieder kreativ“, sagt die zweite Vorsitzende Heike Meermann. „Viele dieser Speisen rufen bis heute positive Erinnerungen hervor.“ Was einst selbstverständlich war, wirkt heute fast exotisch. Kalte Schnauze, gefüllte Eier, Schnittchenplatten. „All das ist aus dem Alltag verschwunden. Gerade deshalb entfalten diese Speisen eine besondere Wirkung“, erklärt Meermann.

Besonders deutlich zeigt sich das beim klassischen Kaffeetrinken, das zu den gefragtesten Formaten im 50er-Jahre-Museum gehört. Ein gedeckter Tisch, echtes Geschirr, Obstkuchen mit Tortenguss. „Viele Gäste erzählen mir, dass man sich gar nicht mehr so zusammensetzt“, sagt Meermann. „Heute gibt es einen schnellen Kaffee. Aber wenn die Leute hierherkommen, machen sie sich schick. Sie genießen das richtig“, ergänzt Nikodem.

Diese Sehnsucht nach den schönen Ritualen ist es, die den Erfolg der 50er-Jahre-Kulinarik ausmacht. Die Veranstaltungen im Museum werden bewusst als Erlebnis gestaltet. Von der Musik über das Essen bis hin zum Geschirr. „Ich lege ganz viel Wert auf Originalität“, betont 50er-Jahre-Fan Kevin Nikodem. „Das gehört einfach dazu.“

Beliebt sind vor allem die klassischen Schnittchen, die die Gäste anziehen. So beliebt, dass sie längst einen eigenen Namen tragen: die „Wirxel-Platte“. Belegte Brote, garniert wie einst, treffen den Nerv der Besucher. Doch die Wirkung dieser Küche geht noch weiter. Gerade bei älteren Menschen, die das Museum in der Zusammenarbeit mit Seniorenheimen besuchen, zeigt sich eine besondere Kraft. „Auf einmal fangen die Leute an zu singen am Tisch“, berichtet Nikodem. „Essen wird hier zum Schlüssel für Erinnerungen.“

Ein Ort, an dem Erinnerung serviert wird

An der Castroper Straße hat zusätzlich zum Museum das Café Wirxel seine Türen geöffnet. Mit viel Liebe zum Detail ist ein Ort entstanden, der Genuss und Nostalgie miteinander verbindet.

Im Mittelpunkt stehen die „Kaffeezeit“ und das „Abendbrot“. Gäste genießen Filterkaffee und Kuchen oder klassisch belegte Brote, begleitet von Schlagern aus der Wirtschaftswunderzeit. So wird jeder Besuch zu einer kleinen Reise zurück in eine Zeit, in der man es zelebrierte, sich einfach gemeinsam an einen gedeckten Tisch zu setzen.

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